Von der Ruhr zum Skifahren nach Tirol und Südtirol: D 1212/1213 ab 1969

Von Markus Egger

In den jeweiligen Sommermonaten gab es bereits seit den 1960ern eine Kurswagen- bzw Zugverbindung die von Dortmund über Nacht an die Adria führte, ab 1967 dann fest etabliert als D 254/253 Dortmund-Pesaro (hier bereits vorgestellt).

Es lag also nahe einen ähnlichen Zug auch für die Wintersaison in Gang zu setzen, erstmals im Winter 1969/70 wurde deshalb unter der gleichen Zugnummer wie der im Sommer 1969 angebotenen D 1212/1213 Dortmund-Pesaro ein D 1212-1213 Dortmund-Bozen angeboten, denn im Winter waren natürlich Tirol und Südtriol die attraktiveren Reiseziele als die Adria.

Datengrundlage: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1969/70

Der Zug verkehrte in der Hochsaison einmal wöchentlich zum samstäglichen Bettenwechsel und war mittags in Bozen und fuhr am frühen Abend wieder zurück.

Wie auch sein Kollege im Sommer nahm auch der Winterzug eine wahre „Rheinkreuzfahrt“ auf sich und überquerte den Rhein gleich 4 mal: Bei Düsseldorf, über die Kölner Hohenzollernbrücke, bei Koblenz und noch ein letztes mal bei Mannheim. Grund für diese Führung dürfte unter anderem sein, dass der Zug über Köln-Kalk geführt werden musste, da man dort Autoreisezugwagen der Relation Köln-Deutz-Innsbruck aufnahm. Etwas unklar bleibt am Rückweg die Führung von D 1213 im Rhein-Neckar-Gebiet: die Kursbuchtabellen widersprechen sich ob er ab Bruchsal über Graben-Neudorf oder Heidelberg fuhr.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1969/70

Interessant ist die Autobeförderung in diesem Zugpaar. In Düsseldorf wurden Autotransportwagen nach Innsbruck und Bozen beigestellt, in Köln-Kalk kamen Autotransportwagen von Köln-Deutz nach Innsbruck hinzu. Für letztere gab es extra einen D 1446/1447, der als Zubringerzug Köln-Deutz – Köln-Kalk fungierte. Ebenso führte der Zug Schlaf- und Liegewagen Dortmund-Bozen, ersteren bewirtschaftete die CIWL.

Quelle: ZpAR der DB. Zur Verfügung gestellt von DSO-User HOMan

Der Stammzug Dormtund-Bozen bestand im Winter 1969/70 aus 1-2 Schlafwagen der CIWL, 1-2 Liegewagen der DB und 4-5 Sitzwagen der DB. In Düsseldorf wurden ebenso wie in Köln-Kalk Autotransportwagen Laeq (Güterwagenbauart) am Schluss des Zuges beigestellt. Zudem kamen in Köln-Kalk an der Spitze des Zuges interessantwerweise noch 2-4 belgische Liegewagen in der Relation Oostende-Bozen für den Reiseveranstalter Railtours hinzu.

Der Zugbildungsplan der ÖBB kennt die Reiseveranstalterwagen nicht:

Quelle: Zugbildungsplan der ÖBB. Zur Verfügung gestellt von DSO-User HPK.

Im Fahrplanjahr 1970/71 fuhr der D 1212/1213 im Winterabschnitt nur im kurzen Zeitabschnitt bis Ende Oktober nach Bozen, die Saison zu der Törggelen in Südtirol hoch im Kurs steht. Ein verkehren im Winter ist bisher nicht nachweisbar.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1970/71. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1970/71. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Die Zugbildung ist ab Dortmund gedreht, an der Spitze laufen nun die Sitzwagen, aus dem ABm ist ein Am geworden, danach folgen die Liegewagen und Schlafwagen. Statt in Köln-Kalk werden die Kölner Autotransportwagen nun in Köln-Mülheim beigestellt.

Quelle: ZpAR der DB. Zur Verfügung gestellt von DSO-User HOMan.

Zum Winter 1971/72 wurde unser Zug etwas überarbeitet. Im Nachtabschnitt verkehrt er nun beschleunigt und lässt Stuttgart Hbf rechts und München Hbf links liegen – in Stuttgart hält er gar nicht mehr, in München zumindest am Ostbahnhof. Die Zugnummer änderte sich auf D 1013/1012.

Quelle: Cook’s Contnental Timetable Januar 1972. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Die Autobeförderung gibt es nur noch in der Relation Düsseldorf-Innsbruck, weshalb in Köln auch nicht mehr über Köln-Kalk gefahren werden muss und man direkt von Köln nach Koblenz über Bonn fahren kann.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1971/72. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Die Zugbildung aus dem Winter 1971/72 zeigt, dass die Gruppe Dortmund-Bozen fast unverändert ist, neu ist die Gruppe Dortmund-Innsbruck aus 1-2 WL der DSG, 1-2 Liegewagen der DB und einem ABm und  einem Bm der DB. In Düsseldorf wird am Schluß des Zuges ein einzelner Autotransportwagen – inzwischen ein DDm – nach Innsbruck beigestellt.

Quelle: ZpAR der DB. Zur Verfügung gestellt von DSO-User HOMan.

Im Winter 1972/73 hält der Trend zur Beschleunigung weiter an, auch der Verkehrshalt in Augsburg Hbf wird aufgegeben, zwischen Mainz und München Ost hält der südwärts fahrende D 1013 nur noch in Ulm Hbf, D 1012 hält zusätzlich in Mannheim Hbf.

Quelle: CIWL-Guide Winter 1972/73. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Deutlicher sind die Veränderungen bei der Zugbildung. Neben dem von der CIWL bewirtschafteten Schlafwagen Dortmund-Bozen gibt es nun auch einen DSG-Schlafwagen Dortmund-Innsbruck, ebenso gibt es neu Liegewagen Dortmund-Innsbruck sowie eine Kurswagengruppe aus Sitz-und Liegewagen in der Relation Amsterdam-Innsbruck, die ab/bis Düsseldorf bzw. Oberhausen mit Eilzügen nach/von den Niederlanden laufen.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1972/73. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Letztmalig wird in diesem Winter auch die Autobeförderung von Düsseldorf nach Innsbruck angeboten.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1972/73. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Im Winter 1973/74 wurde weiter an einer Ausweitung der umsteigefreien Kurswagenläufe in diesem Zugpaar gearbeitet. Neu ist ein Sitzwagen Amsterdam-Bozen und ein CIWL-Schlafwagen Amsterdam-Innsbruck. Außerdem wird nun erstmals in der Hochsaison täglich gefahren. Ab Amsterdam gibt es nun den Zubringerzug D 1313/1312, interessant ist dass die Sitzwagen Innsbruck-Amsterdam auf dem Rückweg bis Ulm im Vorarlberg-Express D 1118 laufen, auf dem Hinweg bereits ab Düsseldorf!

Quelle: Cook’s Continental Timetable Dezember 1973. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Quelle: Amtliches Kursbuch der DB Winter 1973/74. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Quelle: DSG-Schlafwagenfahrplan Winter 1973/74. Zur Verfügung gestellt von Ulrich Brandl.

Zuglok dürfte all die Jahre im deutschen Teil oder ggf. gar bis Innsbruck oder zum Brenner eine 110 gewesen sein, meist aus dem Turnuszuglokpool.

In der nächsten Folge geht es dann um die Jahre ab Winter 1974/75 – unser Zug erhält mal wieder eine neue Zugnummer.

Möglichkeiten zur Mithilfe:

  • Zugbildungspläne
  • Bespannungen
  • Fotos
  • Erinnerungen und Reiseberichte

Vielen Dank an Ulrich Brandl, Hans-Jörg Schwabel und Eckart Sprengler sowie die DSO-User HPK, OZL-Lokd. und HOMan für die Recherche- und Zuarbeiten.

Stand: 12.9.2015

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