Auf ins Riesengebirge! – Teil 4 von 5: Dem Szynobus ist’s zu warm!

Hallo zusammen!

Am heutigen Reisetag ging es wieder zurück Richtung Tschechien.

Am Morgen war erst mal kurzzeitig Zittern angesagt, da am Vortag schon der Busfahrplan im Internet nicht mit dem an der Haltestelle und dem tatsächlich gefahrenen übereinstimmte und ich mit dem ersten Morgenkurs (noch dazu am Feiertag 15.8.) von Szczawno-Zdroj nach Wałbrzych Miasto fahren wollte. Ich schlenderte dann mal rechtzeitig zur an der Haltestelle ausgehängten Zeit (8:02) dorthin, das Internet hätte 8:10 angepriesen. Immerhin kam der Bus dann rechtzeitig auf die 8:02 Uhr-Abfahrt;)
So blieb in Wałbrzych Miasto noch ein biscshen Zeit zur Bahnhofsbegehung. Das Empfangsgebäude ist auch von außen sehenswert:

Nach einiger Wartezeit am Bahnsteig war plötzlich eine Rauchsäule am Horizont zu sehen – tatsächlich kam nach einiger Zeit dieser Dampfsonderzug daher, der am ESig hatte warten müssen, bis die Schranke geschlossen war.

Bald war dann auch Zeit für meinen IC „Mehoffer“ Jelenia Gora – Warszawa, wobei alle 4 Wagen des Zuges als Kurswagen weiter nach Przemyśl laufen. Etwas seltsam ist, dass der Zug nur 2 Wagen 2.Klasse hat, aber auch einen ganzen Wagen 1.Klasse und einen ganzen Restaurantwagen. In den beiden 2.Klass-Wagen stapelten sich die Leute und saßen auf den Gängen und standen in den Übergängen (trotz Reservierungspflicht), während Restaurant und 1.Klasse leer waren – verstehe das wer will;) Mir wars für meine 20-minütige Fahrt relativ egal, denn ich nutzte den „Mehoffer“ eigentlich nur, um etwas früher in Jaworzyna Śląska (Königszelt) zu sein, um etwas Zeit für eine Bahnhofsbegehung zu haben.

Hier verlässt der IC „Mehoffer“ Jaworzyna Śląska und ich habe nun fast eine Stunde Zeit für einen Rundgang über dieses unfreiwillige „Museum“. Vielleicht kurz ein paar Sätze zu diesem Bahnhof: Seine Funktion war ursprünglich die eines Umsteigebahnhofs zwischen den Achsen Breslau – Waldenburg und Liegnitz – Kattowitz. Erst nach dem Bahnhof kam das Dorf drum herum. Vor dem Krieg gabs hier Schnellzüge aus Berlin nach Oberschlesien zu sehen, ebenso wie elektrische Schnellzüge aus Breslau Richtung Riesengebirge. Es gab zwei (!!) Bw (heute eines tatsächlich ein Museum) und einen riesigen Güterbahnhof. Heute ist die Zugdichte recht gering, etwa jede Stunde kommt ein Personenzug vorbei, ganz selten sind mal zwei Züge gleichzeitig im Bahnhof. Von den drei schnellzuglangen Mittelbahnsteigen ist einer komplett gesperrt. Das ganze ist damit fürchterlich überdimensioniert, wenn ich mich nicht verzählt habe sind da alleine 5 Stellwerke besetzt!

Ein (nicht mehr ganz aktueller) [url=http://www.schlesische-eisenbahnen.de/koenigszelt.html]Link zum Bahnhof[/url]

Noch ein Blick in die östliche Bahnhofsausfahrt – geradeaus geht’s nach Breslau, hinter den letzten Wagen des Mehoffer rechts ab nach Kamienec Ząbkowicki (Kamenz (Schlesien)) und weiter Richtung Katowice (Kattowitz).

Wasserturm und Stellwerk:

Blick über die Bahnsteiganlagen:

Totenstille herrschte über dem Bahnhof – bis auf diese modernisierte SM42, die ohne Lokführer im Leerlauf die ganze Stunde lang vor sich hin brummelte. Einziges anderes Geräusch während meiner Anwesenheit war dann noch der Lautsprecher der örtlichen katholischen Kirche, der den Mariä-Himmelfahrt-Gottesdienst ins Dorf übertrug…

Das „alte“ Empfangsgebäude, es ist natürlich längst außer Betrieb und gesperrt, hatte früher aber wohl schmucke Türmchen. Es steht am Ende des mittleren Mittelbahnsteiges.

Wer findet auf dem Bahnsteig das einzige was jünger als 100 Jahre ist?

Das „neue“ Empfangsgebäude steht an der Straßenseite und ist tatsächlich renoviert

Es gibt sogar einen geöffneten Wartessal:

Der Schalter wurde zwar mit neu renoviert – ist aber schon wieder geschlossen und leer geräumt. Mag er überhaupt jemals geöffnet gewesen sein?

Es gibt sogar einen Gebäudeplan in „Brailleschrift“ – das dürfte aber eine recht nutzlose Einrichtung sein, da das Gebäude bis auf einen unbestuhlten Wartesaal leer ist und die Blindenleitzeinrichtung an der Oberkante der Treppe zur Bahnsteigunterführung enden….

Der größte Treppenwitz im renovierten Empfangsgebäude ist aber: Er ist videoüberwacht – und zwar mit örtlicher Besetzung, in einem kleinen Kämmerchen des Wartesaals war die Tür offen, da langweilte sich tatsächlich jemand vor mehreren Überwachungsmonitoren die ein leeres Gebäude zeigten (nun gut, einen albernen deutschen Touristen der Fotos machte gabs auch zu sehen). Der Bahnsteigbereich und die Unterführung ist natürlich nicht in die Überwachung integriert….

Zurück in den historischen Bahnhof: Den Tauben gefällts, es empfiehlt sich um die mit Taubenkot markierten Bahnsteigbereiche einen Bogen zu machen…

Auf dem Weg zum „alten“ Empfangsgebäude

Verrammelt trifft es wohl ganz gut:

Steg über den Güterbahnhof:

Blick zurück auf die Bahnsteige, rechts das „neue“ Empfangsgebäude:

Einziger gepflegter Punkt im Bahnsteigbereich, das Monument für die Patronin der Eisenbahner, die hl. Katharina!

Plötzlich Zugverkehr! Eine SM42 bringt einen abgebügelten EN57 und stellt ihn im Güterbahnhof ab!

Ein Blick in die recht kahle Unterführung hat noch gefehlt:

Dann kommt tatsächlich ein planmäßiger Zug, es ist der Gegenzug meines gestrigen R „Kamieńczyk“ auf dem Weg nach Szklarska Poręba Gorna, zum Ende des langen Wochenendes sogar mit einem Verstärkungswagen an der Spitze.

Dann kommt doch tatsächlich mein Zug mit geschätzten 10km/h in den Bahnhof gekrochen: KD 69124 von Strzegom nach Kudowa Zdroj (Bad Kudowa-Sackisch)

Der Zug komtm mit etwa 5 Fahrgästen, etwa 10 steigen hier zu, einige waren mit KD aus Wałbrzych gekommen, einige mit dem Kamieńczyk, einzelne wohl auch aus dem Ort. Auch an den weiteren Stationen ist immer Fahrgastwechsel, bald dürften wir so 20-25 Leute sein. Die Fahrt ist recht angenehm, wenn auch wieder häufig sehr langsam. Es geht über die überwiegend zweigleisige Hauptbahn bis Kamienec Ząbkowicki, dort wird Kopf gemacht, es geht eher noch langsamer auf der zweigleisigen, elektrifizierten Hauptbahn bis Klodzko (Glatz). Dort biegen wir dann am Stadtrand auf die Nebenbahn nach Kudowa Zdroj ein.

Dort sinkt dann die Reisegeschwindigkeit ins kaum noch messbare, kilometerlang sind nur noch 20km/h erlaubt, wenn er denn mal auf 40 beschleunigen darf, kommt einem das schon ziemlich rasant vor. Aber landschaftlich ist es sehr schön!

Der Abzweig beginnt auf etwa 300 Höhenmetern, bis zum Bahnhof Szczytna (Rückers) auf 450 Höhenmetern und 16 km nah dem Abzweig läuft alles noch planmäßig, doch beim Halt in diesem ehemaligen Bahnhof ruft der Lokführer erstmal eine kleine Pause aus, damit der Motos abkühlen kann. Nun denn: Motor aus – und wir warten ein paar Minuten, bevor es wieder weiter geht. Nun denn, weit kommen wir nicht, etwa 1,5km und 50 Höhenmeter weiter mag der Motor auf freier Strecke plötzlich nicht mehr und geht in den Leerlauf, wir bleiben zwangsläufig stehen – und genießen die schöne Landschaft. Man beschließt dann die Klimaanlage abzuschalten und dafür die Klappfenster zu öffnen. Irgendwann mag der Motor tatsächlich wieder.
Wir erreichen den Bahnhof Duszniki Zdroj schon auf 550 Höhenmetern), wo wir nun schon mit nennenswerter Verspätung schon sehnsüchtig erwartet werden. Der Lokführer hats nun eilig, sofort geht’s weiter, doch weit kommen wir nicht, etwa 1 km nach der Ausfahrt des Bahnhofs geht der Motor nun einfach während der Fahrt aus;) Aber immerhin haben wir wieder 30 Höhenmeter geschafft;) Ein Besuch auf der Toilette offenbart auch unschöne Klopfgeräusche aus dem Motrbereich, als der Lokführer den Motor zumindest im Leerlauf wieder anbringt…

Irgendwann hat der Motor ein einsehen, es geht wieder ein bisschen, mit mehr oder weniger Schrittgeschwindigkeit den Berg hoch, bis wir auf etwa 630 Höhenmetern und knapp 2km weiter wieder zum Stehen kommen. Immerhin ist diesmal eine Straße zu sehen, ich schließe derweil schon mal Prognosen ab wie gut die Beziehungen von KD zu den örtlichen Busunternehmern sind und wie lange eine Evakuierung dauern könnte, schließlich hätte ich planmäßig „nur“ 2 Stunden Zeit in Kudowa Zdroj gehabt, bis mein Bus rüber nach Tschechien fährt. Nach endlos langen Minuten und zahlreichen Versuchen den Motor wieder anzubringen gehts irgendwann dann doch weiter, nach ein paar Metern kommt gleich ein Tunnel, großes „Ooooooohhh“ im Zug, aber im Tunnel wird der Zug tatsächlich wieder deutlich schneller und ich erinnere mich daran, dass es eine Art Scheiteltunnel auf dieser Strecke gibt, d.h. es nun tatsächlich bergab gehen könnte. Nach dem Tunnel rollen wir in den Haltepunkt Kulin Klodzki (Keilendorf), der Motor geht sofort wieder aus. Dort warten schon diverse Fahrgäste, die wollen aber gar nicht mit uns mit, sondern warten schon auf den Gegenzug (der wieder unser Triebwagen hätte sein sollen). Nochmal langes Stehen in Kulin, dann gehts weiter, da es nun ordentlich bergab geht, hält der Motor sogar bis Kudowa Zdroj durch. Die Aussicht auf diesem Abschnitt ist nur mit grandios zu beschreiben und entlohnt für den mühsamen Aufstieg!
Ankunft in Kudowa Zdroj ist dann mit etwa +55. Hier steht SA135-008nach getaner Arbeit am Bahnsteig:

Ein Blick auf das Empfangsgebäude von Kudowa Zdroj:

Die Folgefahrt unseres Triebwagen fällt dann wohl erst mal aus, denn inzwischen ist die Abfahrt für KD 69312 nach Wrocław gekommen, der gerade noch pünktlich nach unserer Ankunft in Form von SA134-025 den Bahnhof verlässt

Mein Aufenthalt in Kudowa ist damit um gut die Hälfte gekürzt, viel Zeit zur Besichtigung bleibt nicht mehr, da ich noch ein ganzes Stück in den Ort laufen muss, wo der Bus nach Náchod abfährt.

Vorher fährt an meiner Haltestelle aber noch die schnellere Variante nach Wrocław ab in Form dieses MAN, der seinen Vorbesitzer auch gleich offenbart…

Die Linie von Kudowa Zdroj nach Náchod wird von CDS Náchod betrieben, zum Einsatz kam dieser SOR CN 10,5.

Am Bahnhof  Náchod wartete der Sammler auf seine Abfahrt.

Will man von Náchod nach Pardubice mit dem Zug, muss man eine nette Sägefahrt machen. Zunächst geht es mit einer RegioNova bis Václavice, dort wird Kopf gemacht.
Ein Link zu einer Landkarte: [url]https://opentopomap.org/#map=14/50.39788/16.10227[/url]

Nun geht es rüber nach Starkoč. Hier müsste man nun wieder Kopf machen, meist muss man jedoch eh umsteigen. Hier kommt mein Anschlusszug in den Bahnhof:

Mit Sp 1793 geht es wieder bei herrlich lauem Sommerwetter und offenem Fenster nach Hrádec Kralové, wo es noch mit einem RegioPanter das kurze Stück bis Pardubice geht, wo dann mein ereignisreicher Tag endet.

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